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Für sein europäisches CD-Projekt portraitierte Bastian Fiebig von Mai 2013 bis September 2014 an unterschiedlichen Orten den jeweils eigenen Klang, die Architektur, die Geschichte wirklich außergewöhnlicher Klangräume mit dem Saxophon. Es entstanden sinnliche, einzigartige akustische Portraits von Orten, die entweder nicht der Öffentlichkeit zugänglich, klanglich absolut außergewöhnlich oder aus anderen Gründen faszinierend sind. Klangprobe bei soundcloud


Salle des Pas Perdus Palais de Justice in Brüssel (B), September 2014

Das Gebäude befindet sich auf einem Hügel oberhalb der City und ist derart groß, dass man beinahe 15 Minuten braucht, um es zu Fuß zu umrunden. Dementsprechend sind auch die Innenmaße: Das Personal versichert schnell, dass man sich hier problemlos verlaufen kann, Fledermäuse nisten in den Höhen des Empfangssaals, in dem auch echte Riesen Platz nehmen könnten. Madame Seghers nahm uns sehr freundlich in Empfang und führte uns direkt ins Zentrum des zwischen 1866 und 1883 errichteten Prachtbaus. Und dann eine Stunde unglaublicher Raum, weicher, langer Hall mit vielen Brechungen, Geschichten, Impressionen – ein würdiger Abschluss unserer langen Reise durch Europa. Um den Justizpalast ranken sich übrigens zahlreiche Mythen und Sagen, so etwa, dass sich in einer der gigantischen Säulen ein geheimes Treppenhaus befinden soll oder aber dass der Saal ein Tor zu einer anderen Welt darstellt.... Merci beaucoup Monsieur Etienne Goethals für diese einmalige Gelegenheit, dem Justizpalast eine Melodie zu geben!

´t Kromhout Museumswerft in Amsterdam (NL), September 2014 Fotos

Die Werfthalle ´t Kromhout mit ihrem charmanten Museum klingt weitaus beeindruckender, als es den Anschein hat, denn etwa 6 Sekunden Hall verschwinden hier ganz allmählich vor dem inneren Ohr. Tolle Akustik und mit Blick auf die Gracht dahinter sehr inspirierend. Hier entstehen einige der ungewöhnlichsten Tracks des gesamten Projektes, Amsterdam scheint wirklich ein besonderes Pflaster zu sein - ganz herzlichen Dank an die Vibraphonistin Leticia Bal, die uns diesen tollen Platz empfohlen hat, sowie an Emmy Schouten von der Stiftung Stadsherstel für die Möglichkeit, hier aufzunehmen!

Gasometer Oberhausen (D), Juli 2014 Fotos / Film

Was wir zuvor nicht wussten: Der Gasometer in Oberhausen ist mit über 117 Metern Höhe heute der weltweit größte seiner Art – und das sieht und hört man! Die Begrüßung durch die Mitarbeiter der Gasometer Oberhausen GmbH war herzlich, per Aufzug ging es flott in die dritte Etage des Oberhausener Wahrzeichens (in den zwei unteren Etagen finden Kunstausstellungen statt) und dann standen wir sprachlos in dem riesigen Gebäude, das sich quasi wie eine gigantische Konservendose über uns wölbte. Da der Gasometer beinahe vollständig aus Metall besteht, heizt er sich bei sommerlichen Temperaturen dementsprechend auf und verlangt beim Saxophonspielen vollen körperlichen Einsatz. Der hat sich gelohnt, denn mindestens 20 Sekunden Hall ermöglichen faszinierende Klangwelten! Das Hintergrundgeräusch (ein sich kontinuierlich veränderndes Rauschen) entsteht übrigens durch die um den Gasometer befindlichen Verkehrswege: Die Klangwellen werden von der Außenwand des Gasometers förmlich angezogen und übertragen sich direkt ins Innere, so dass mancher Zug durch mein Spiel hindurchfährt. Passt!
Ganz herzlichen Dank an Sasha Bast und die Gasometer Oberhausen GmbH

Bock-Kasematten Stadt Luxembourg (L), Juli 2014 Fotos / Film

Es ist wirklich erstaunlich, wie man über Jahrzehnte um eine sehenswerte Stadt wie Luxembourg herumreisen kann, bis einen die Musik endlich in das so kleine wie charmante Land und seine Hauptstadt hineinführt. Schon im Vorfeld viel herzliche Kommunikation mit Christine Kieffer vom Luxembourg City Tourist Office, ohne die es wohl kaum möglich gewesen wäre, diese außergewöhnlichen Aufnahmen im Höhlensystem unterhalb der Stadt Luxembourg zu realisieren. Die Kasematten wurden unter spanischer Fremdherrschaft ab dem Jahr 1644 errichtet und vom legendären Festungsarchitekten Vauban weiter ausgebaut. 1745 erweiterten die Österreicher nochmals und sie waren nicht die einzigen, die hier ihre Spuren hinterließen. Heute gehört das UNESCO-Weltkulturerbe zu den wichtigsten touristischen Attraktionen Luxembourgs. Der Tag der Aufnahme stand allerdings auch im Zeichen eines großen Musikfestivals, und da in der Nähe der Bock-Kasematten eine große Bühne aufgebaut wurde, auf der sich eine große Band anschickte den Sound zu checken, war schließlich große Eile geboten. Mancher ungeahnte Ton seitens der Musiker hat sich so in die vitalen Tracks geschlichen, die mir aus den Fingern ins Instrument hineinglitten, aber das gehört genauso zu diesem Tag wie alle schönen Impressionen, die uns Luxembourg mitgegeben hat. Wir kommen sicher wieder!
Herzlichen Dank an Christine Kieffer und das Luxembourg City Tourist Office

Peter-Behrens-Bau Industriepark Hoechst, Frankfurt am Main (D), Oktober 2013 Fotos / Film

Das Gelände der ehemaligen Hoechst-AG ist so groß wie eine Kleinstadt und für die Öffentlichkeit nur nach strengen Sicherheitskontrollen zugänglich. Der in den 20er Jahren errichtete Peter-Behrens-Bau war von Anfang an als Verwaltungsgebäude geplant, ist heute eines der bedeutendsten Baudenkmäler des Expressionismus und wird immer noch genutzt. Kein Wunder: Das Gebäude wurde vorbildlich renoviert und vermittelt dem Besucher das Gefühl in einer Filmkulisse des Klassikers "Metropolis" zu wandeln. Da lässt sich gut arbeiten und noch besser Saxophon spielen, doch das ist hier aus naheliegenden Gründen keine Selbstverständlichkeit. Michael Adolphs öffnete mir durch freundliche Gespräche mit dem Vorstand der Infraserv die Türen – dafür insbesondere Jürgen Vormann, Dr. Roland Mohr und natürlich Michael Adolphs ganz herzlichen Dank! Der Klang im Gebäude ist ganz entgegen meinen Erwartungen ganz weich und harmonisch, perfekt für Kammermusik, im Ehrensaal auch für Chormusik und die von der einzigartigen Architektur und den wunderschönen Farben bestimmte Atmosphäre inspirierte mich zur wohl längsten Aufnahmesession im Rahmen des Projektes mit zahlreichen farbenfrohen Improvisationen

Staumauer Oberaarsee Kraftwerke Oberhasli (CH), September 2013 Fotos / Film

Es gibt Ereignisse, die man sich einfach nicht vorstellen kann. Bis sie schließlich eintreten. Und wenn es gut kommt, dann wird es so wie in der Staumauer des Oberaarsees, etwa 2.300 Meter über dem Meeresspiegel in der Zentralschweiz gelegen. Hier gaben mir die Kraftwerke Oberhasli die einmalige Gelegenheit mit meinen Saxophonen Aufnahmen in einer der vielen Kavernen im Inneren der Staumauer zu machen. Nach entspannter Nacht im traumhaft schönen Grimsel Hospiz (ein Hotel, wie man es aus James Bond-Filmen kennt ...) fuhren wir über die sehr, sehr schmale Oberaar-Panoramastraße zur Staumauer, waren vom Blick über den See in Richtung Oberaargletscher tief beeindruckt und wanden uns dann eine schmale Schotterstraße hinab zum Eingang. Durch einen schmalen Gang erreicht man die Kaverne, die derart hoch ist, dass ich das komplette Höhenmaß einfach nicht auf ein Foto gebracht habe. Dafür entstanden faszinierende Aufnahmen mit den Saxophonen, im Hintergrund ist ganz leise das Summen einer Lüftung zu hören – aber das gehört nunmal dazu. Mein besonderer Dank gilt Herrn Biasiutti und Herr Baumberger von den Kraftwerken Oberhasli, sowohl für die Möglichkeit hier aufzunehmen, als auch für die Großzügigkeit, mit der wir empfangen wurden, Ranger Thomas Herren, der uns sicher begleitet und dafür gesorgt hat, dass wirklich alles glatt ging und Jörg Rüetschi, der das Projekt "eingefädelt" hat. Im Grunde findet man keine Worte. Umso schöner ist es,Töne dafür gefunden zu haben.

Atelier des Malers und Butoh-Tänzers Michael Huth Rentweinsdorf (D), August 2013 Fotos / Film

Einige Bilder von Michael Huth begleiten mich täglich in meiner Wohnung – wir sehen uns in unregelmäßigen Abständen und so kam das Gespräch vor einiger Zeit auf seine neue Leidenschaft, den Butoh-Tanz. Da ist der Weg zu einer gemeinsamen Session nicht weit und wir verabredeten uns in seinem Atelier, einem alten Tanzsaal in Rentweinsdorf. Ich muss sagen: Der Anblick von Michael im "Tütü" und mit weiß geschminktem Gesicht erreichte sein Ziel: Zunächst ein wenig verstörend, aber zugleich lustig und unbeschwert. So waren auch die folgenden 45 Minuten eine intensive, zeitweise sehr humorvolle, dann auch wieder anstrengende und ungemein symbiotische Kunsterfahrung. Selten habe ich mich nach einer Aufnahmesession so erfrischt gefühlt – Danke Michael!

Hôtel Dieu Marguerite de Bourgogne Tonnerre (F), Juli 2013 Fotos / Film

Ein Sommer wie aus dem Bilderbuch – somit dauerte es auch nur ein paar Minuten, bis das Hemd komplett "durch" war. Der riesige Raum mit seinem beeindruckenden Dach klingt ausgesprochen weich, taugt wenig für normale Konzerte, ist jedoch wie geschaffen für das Spiel mit Resonanzen, über 10 Sekunden Hall, seinem feinen Echo. Die Session war trotz der tropischen Temperaturen eine der längsten, die ich bisher gespielt habe. Zu viele Fragen stellte das umgedrehte Wikingerschiff über mir, während der große Louvois von seinem Grabmal in der hintersten Ecke aus zuzuhören schien. Ein großes Glück, dieses alte Hospital einmal ganz allein bespielen zu können: Merci beaucoup an das Team des Vieil Hôpital!

Stahl- und Betontanks Weingüter Wegeler, Mai 2013 Fotos / Film

Im Rahmen der Jahrgangsverkostung hatte ich die Gelegenheit, zahlreiche leere Gärtanks für meine Klangbilder zu nutzen. Viel Auswahl, unterschiedliche Materialien, perfekte Motivation (Bernkasteler Doctorberg 2008) und ausgesprochen nette Besucher waren der Rahmen für die bisher längste Aufnahmesession des gesamten Klangräume-Projektes. Besonders ungewöhnlich war das Spiel mit Betontanks der Größe 10.000 bis 30.000 Liter. Wenn man in den langen, gekachelten Raum hineinspielt, bricht sich der Schall in allen leeren Tanks gleichzeitig und der Hall steht bis zu 20 Sekunden lang. Großartig wie der gesamte Abend bei Wegeler – herzlichen Dank an Tom Drieseberg!

Dom des Besucherbergwerks Fell, Mai 2013 Fotos / Film

Nach über zwei Stunden Anfahrt durch den Regen schließlich Ankunft vor dem Besucherbergwerk Fell, das sich versteckt oberhalb eines kleinen Tals außerhalb von Fell befindet. Nette Begrüßung durch Robert Hoffmann, der kurz sein tolles, brandneues Museum präsentiert bevor es bergab in Richtung Ausgang der Grube geht. Von hier aus geht es 200 Meter durch einen engen Stollen, dann eine enge Treppe hinauf und schließlich in den "Dom" des Bergwerks. Überall tropft es, ich fürchte um mein Equipment aber alles geht gut: Kein langer, aber ein angenehm warmer Hall, einzigartige Atmosphäre und tolle Tracks!

© C.Fiebig 2014